Der Bernauer Wikinger

Es begab sich in grauer Vorzeit, als der Fußballplatz noch auf dem Rössleplatz war, die Duschräume noch nicht vorhanden und die jetzt alten Männer noch junge, fitte Fußballer waren, daß ein braver Hotelier zum rasenden Wikinger wurde.

Eines Abends, es war dunkel, da wurde bei Flutlicht für ein wichtiges Spiel trainiert. Einem Spieler, dem Glashof-Fritz, gelang ein bombenmäßiger Granatenschuß. Glas splitterte, ein Aufheulen war zu hören, jedem Spieler lief es eiskalt über den Rücken.

Was war geschehen, es war doch ein Volltreffer? Ja, es war ein Volltreffer, voll in das Fenster eines benachbarten Hotels. Oh, und die Bewohner dieses Hotelzimmers, die hier in Bernau Ruhe, Frieden und Erholung suchten, die waren fast zu Tode erschrocken. Was sollten sie jetzt tun? Wer konnte ihnen jetzt helfen? Also gingen sie hin und klagten ihrem Gastgeber ihr Leid.

Dieser hatte in der letzten Zeit bereits viele, viele Ball-Konflikte mit dem FC ausgetragen und sah jetzt nur noch die Hauptfarbe des Vereinswappens - nämlich ROT. Er rannte in seine Werkstatt, packte eine Axt und kam, die Axt wie ein Wikinger über den Kopf schwingend, auf den Platz gerannt. Die Spieler gingen in Deckung, doch der Hotelier hatte es nicht auf den Fensterschützen abgesehen. Nein, dies wäre ja auch sinnlos gewesen, denn es gab ja noch viele weitere tapfere Fußballer, die das Training hätten fortsetzen können. Also, dachte sich unser Hotelier, muß ich das Spiel auf andere Art beenden. Gesagt, getan. Er schwang die Axt, hob sie hoch über den Kopf, zielte genau und - er traf. Es wurde plötzlich alles ganz finster und unheimlich. Aber wo war das Blut? Was war geschehen? Wieso standen plötzlich alle im Dunkeln? Hatte der Hotelier vielleicht sogar Kontakte zu finsteren Mächten?

Nein, so war es nicht. Unser Hotelier hat das Problem ganz anders gelöst - er hat mit der Axt die Stromleitung an zwei Flutlichtmasten durchgetrennt.

Dieser Beitrag wurde nach Erzählungen aufgezeichnet von Anke Kiefer